Herbert Hoffmann – Pionier, Ikone und Tattoo-Legende

Geschrieben von Kinky69 am 10. Dezember 2010 | Abgelegt unter Blog,Kultur | 2 Kommentare

St.Pauli Tattoo by Herbert HoffmannDer Trend ist ungebrochen, Tattoos sind heute angesagt und modern wie noch nie. Ob es Stars oder Sportler sind, ohne Tattoos lässt sich keiner mehr auf der großen Showbühne sehen.
Im Fernsehen gibt es Sendungen aus den Tätowierstudios heraus, und jedes beliebige Motiv ist inzwischen auf angesagter Fashion zu finden. Alles, was man über Tattoos wissen will oder dafür benötigt, ist nur einen Mausklick im Internet entfernt.

Herbert Hoffmann ( 1919 – † 2010 ) war ältester aktiver Tätowierer der Welt. Er stammt aus einer Zeit, als die Tätowierkunst nicht diese Popularität hatte wie heute und es sehr aufwendig war, sich Informationen darüber zu beschaffen oder sich mit Gleichgesinnten auszutauschen.
Glaube, Liebe, Hoffnung von Herbert HoffmannHeute werden Tattoos mit ihren Bedeutungen und Inhalten beliebig interpretiert, oder sie haben meistens nur noch einen dekorativen Zweck. Die traditionellen Motive von Herbert Hoffmann und seinen Weggefährten haben eine ganz klare und eindeutige Aussage, die zweifellos und unmissverständlich gelesen und interpretiert werden kann.

Seine Faszination für Tattoos begann schon in seiner Jugend, aufgewachsen im ländlichen Pommern bewunderte er Tagelöhner und einfache Feldarbeiter für ihre blaufarbigen Körperstiche. Gerne hätte er auch ein Tattoo gehabt, aber die Zeit ließ es nicht zu. Tattoos galten in der Nazizeit als entartet und wurden verboten. Tätowierer kamen ins Konzentrationslager und ihre Studios wurden geschlossen.
Nach seiner Lehre als Einzelhandelskaufmann in Stettin wurde er im April 1939 zum Reichsarbeitsdienst der Wehrmacht eingezogen.
Er geriet in Kriegsgefangenschaft in Riga, wo er einen Deutsch-Letten kennengelernt hatte, dessen Tätowierungen an seinem linken Unterarm, mit den Seefahrermotiven Glaube-Liebe-Hoffnung, ihn in seinen Bann zogen.

death before dishonor by Herbert Hoffmann TattooingIm Jahre 1949 kehrte er nach Deutschland zurück und arbeitete als Anzeigenakquisiteur. Zur gleichen Zeit widmete er sich seiner Liebe und Leidenschaft und ließ sich tätowieren. In Erinnerung an den Seefahrer aus Riga ließ er sich die Motive von Glaube, Liebe und Hoffnung an selber Stelle tätowieren. Für seine Tattoos reiste er durch Deutschland und Europa und ließ sich von verschiedenen Tätowierern wie Christian Wahrlich aus Hamburg, Taovör Öle aus Kopenhagen und Albert Conelissen aus Rotterdam tätowieren. Herbert erkannte sein Talent für den Hautstich. Er sprach Leute auf der Straße an, die er mit Tattoos entdeckte und tauschte sich mit ihnen aus und fragte sie, ob sie sich von ihm tätowieren lassen möchten, und übte sich so an hunderten Interessierten. Seine ersten Jahre als Tätowierer praktizierte er mit selbsthergestellten Handnadeln. In Düsseldorf kam ihm der Wunsch sich selbstständig zu machen mit einem eigenem Tattoostudio, der Versuch scheiterte aber 1960, weil er keine Erlaubnis bekam mit der Begründung, “Tätowierer” sei “kein Beruf”. In Düsseldorf hielt ihn nichts mehr, und seine Leidenschaft brachte ihn 1961 nach Hamburg. Hier kaufte er das Tätowiergeschäft von Paul Holzhaus am Hamburger Berg 8 auf “St.Pauli”. Herbert Hoffmann hatte 1964 das einzige professionelle Tattoostudio in Hamburg, als Christian Wahrlich starb. Damit verlieh Herbert Hoffmann seinem Studio den Namen “Älteste Tätowierstube in Deutschland”.

Zu ihm kamen Seeleute und Hafenarbeiter, Politiker, Musiker und Hausfrauen und der Kiez von Hamburg. Seine Kunden wurden nicht nur tätowiert, sondern sie wurden auch fotografiert. Die Menschen luden Herbert in ihre Wohnungen ein und stellten sich in Unterhosen oder nackt vor seine Kamera. Durch das Vertrauensverhältnis gelang es Herbert, ganz besondere Bilder aufzunehmen. Er fotografierte den Mensch als Ganzes, und nicht nur Teile vom Körper mit Tattoo. Auf seinen Bildern wurden Verlierer zu Siegertypen.

Mitverantwortlich für die Wurzeln der modernen Tattoo-Kultur ist heute unter anderen Herbert Hoffmann. Er zählt zu den vier größten Namen der internationalen Tattoo-Kultur Szene, die Stile manifestierten, neue Wege definierten und das Tattoing aus dem Schmuddel Image heraus holten. Dazu gehört der amerikanische Tätowierer “Sailor Jerry Collins”. Er war der erste, der die alte amerikanische Tattoo-Tradition mit der japanischen verband und damit einen neuen Stil kreierte. Don Ed Hardy, nicht so wie man heute seinen Namen kennt, hatte sich mit seinem charakteristischen und neuen Stil als Kunstform verdient gemacht. Horiyoshi III aus Yokohama hat mit seinen wertvollen Recherchen der Japanischen Tattoo-Kultur- und Tradition einen neuen Stil und Technik definiert, die bis heute unerreichbar blieben. Jedem der großen Namen wird in der internationalen Tätowier-Szene Aufmerksamkeit und Anerkennung gewidmet.

Herbert Hoffmann starb im Alter von 90 Jahren am 30. Juni 2010 in Heiden / Appenzell, Schweiz.

www.herbert-hoffmann-tattooing.ch/

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2 Kommentare zu “Herbert Hoffmann – Pionier, Ikone und Tattoo-Legende”

  1. Glaube, Liebe, Hoffnung (1994) - Movieam 16. März 2011 Link zum Kommentar

    Glaube, Liebe, Hoffnung is a Documentary Movie of 1994 made in Germany. Director: Andreas Voigt…

  2. Tattoo-Maschinenam 16. Mai 2012 Link zum Kommentar

    Sehr hilfreich Artikel. Dank dem Autor für die Artikel Bereitstellen eines solch großartigen Informationen.

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